Kinderhospital Osnabrück  schafft einen „Ruheraum“

Bild v.l.: Wilfried Siemering (Verwaltungsdirektor) und Frank Altemöller (Leitung Station 1)Wie kann man Kindern und Jugendlichen helfen, wenn Sie in einer absoluten Grenzsituation sind? Was kann man tun, wenn die jungen Patienten des Kinderhospitals in einer Phase größter Erregung voller Wut und Unruhe sind und sich in diesem Zustand sogar selbst gefährden könnten. Wenn Sie durch die Ansprache der Therapeuten nicht mehr erreicht werden können und Sie einfach eine Auszeit benötigen? Sie müssen sich dann austoben, sich abreagieren und zur Ruhe kommen können. In der Sprache der Jugendlichen würde vielleicht von "downcoolen" die Rede sein.

Im Kinderhospital Osnabrück ist Mithilfe von Spenden ein Ruheraum im Intensivbereich der  Station für besonders schutzbedürftige Patientinnen und Patienten entstanden. Er ist atmosphärisch so ausgestattet, dass Patienten mit psychomotorischen Erregungen sich nicht nur entspannen, sondern auch abreagieren können.  Dabei ist durch die Gestaltung des Raumes das Verletzungsrisiko minimiert. Gleichzeitig ist der Raum sehr wohnlich und ansprechend.

Neben einem Bett und verschiedenen Möbelstücken zum Entspannen, gehört auch eine  große, gepolsterte Zielscheibe zur Ausstattung . Bei Bedarf können Boxhandschuhe angezogen und an der Zielscheibe zum Einsatz kommen.  „Es geht darum, negative  Energie zu kanalisieren, die Kinder sollen sich austoben und danach zur Ruhe kommen können. Den Kindern soll ein Ventil gegeben werden “, sagt Stationsleiter Frank Altemöller. Damit die kleinen Patienten sich nicht verletzen, ist der komplette Ruheraum mit Hartschaumstoffplatten gepolstert . Besonders viel Wert wird auf die Atmosphäre im Raum gelegt, so wurde das Lichtspiel nach einem besonderen Konzept ausgewählt und vom Dienstzimmer kann direkt Musik eingespielt werden, die der Entspannung dient.

„Wenn wir die Möglichkeit haben, lassen wir dir Tür zum Raum offen, bei hochgefährdeten Patienten kann der Raum aber auch  verschlossen werden. Wir lassen  unsere kleinen und größeren Patienten aber niemals  alleine, sondern haben sie durch die Fenster ständig im Blick und Kontakt zu ihnen“, erklärt Frank Altemöller. Die Kinder nähmen den Raum  gut an, eine Patientin nutze ihn zum Beispiel regelmäßig um nach eigenen Angaben um an der Zielscheibe das Talent für das Kickboxen zu prüfen. Warum nicht? Es muss eben nicht immer eine akute Krise sein.

Entworfen wurde der Ruheraum im Wert von rund 22 000 Euro von der Firma Laurin Therapie Design aus Chemnitz, die sich auf den Bau solcher Time-Out-Räume spezialisiert hat.