"Unter der Bezeichnung Kinderhospital-Verein zu Osnabrück hat sich in der Stadt Osnabrück ein Verein gegründet, welcher den Zweck verfolgt, kranken und schwachen Kindern, vorzugsweise aus solchen Klassen der städtischen und ländlichen Bevölkerung, die ihren Kindern in Erkrankungsfällen nicht selbst die erforderliche Pflege und Behandlung angedeihen lassen können, eine angemessene Behandlung und Verpflegung in gesunden Räumen zu gewähren" (§1 der Statuten des Kinderhospital-Verein zu Osnabrück vom 3.10.1879).
Mit diesen Zeilen des Gründungsdokumentes ist das Zentrale der wechselvollen Geschichte des Kinderhospitals zusammen gefasst. Von den ersten Tagen des Bestehens bis in unsere heutige Zeit ist die Geschichte des Hauses auf das engste mit den Bürgern der Stadt Osnabrück verbunden. Engagierte Schwestern, Ärzte und Verwaltungsfachleute haben in all den Jahren des Bestehens das Haus unter vielen materiellen und ideellen Opfern zur Versorgung der kranken Kinder der Stadt geführt; die Bürger der Stadt wiederum haben es in den vielen schwierigen Phasen mit großzügigen Geldspenden und vielfältiger anderer Hilfe getragen.
So lesen wir zum Beispiel im Verwaltungsbericht von 1921: ,,Den Behörden, Firmen und Privatpersonen, die uns in schwerer Not durch Beihilfen unterstützt und bei der Versorgung des Hospitals mit Kartoffeln für den Winterbedarf 1921/22 hilfreiche Hände geleistet haben, statten wir auf diesem Wege unseren herzlichen Dank ab. Nur ihnen ist es zu verdanken, dass der Verein den Betrieb des Hospitals in dem abgelaufenen Rechnungsjahre aufrecht erhalten konnte". Das Überleben des Kinderhospitales als private Einrichtung in dieser Stadt war nur in diesem gegenseitigen Füreinanderdasein möglich. Bürgernähe in der ganzen Bedeutung des Wortes prägte seine Entwicklung in den mehr als 130 Jahren des Bestehens. Das vielfache Vorkommen von Rachitis und Skrofulose und die Notwendigkeit, für die betroffenen Kinder etwas zu tun, hatte die Diakonisse Irmgard von Stolzenberg vom Stift Bethlehem zu Ludwigslust erkannt, die als Vorsteherin der Gemeindeschwestern in Osnabrück tätig war.
Mit der eng befreundeten Frau Bertha Reinecke, geb. Pagenstecher, machte sie erstmals im Sommer 1868 den Versuch, Kinder in das Solbad nach Rothenfelde zu schicken, um Heilung zu vermitteln. Zu Beginn wurden dort neun Kinder in einem privaten Haus untergebracht, unter Aufsicht der Schwester Luise Ackermann gepflegt und ,,daneben gebadet". Der Erfolg zeugte durch die günstige Entwicklung der Behandlungen in Rothenfelde von der weisen Voraussicht der Gründerinnen. Aber es zeigte sich auch, dass über die Badekur von vier Wochen hinaus Pflege nötig war, um eine gründliche Heilung herbeizuführen.